Leute und Geschichten aus dem Odenwald

 

 

 

Michelstadt macht Musik

20 Konzerte innerhalb von 14 Tagen – das kann man im August in Michelstadt erleben. Bei der Internationalen Sommerakademie für Musik, der ISAM. Eine Privatinitiative von engagierten Musikern und musikliebenden Odenwäldern. Wenn 20 Meisterschüler aus Russland, Tschechien, Israel, Deutschland und den USA mit einer internationalen Dozentenschaft arbeiten, dann klingt es überall in der romantischen Fachwerk-Altstadt. Und die Michelstädter und ihre Gäste strömen zu den Konzerten.

Bürgersinn lässt Musik klingen

Daniel Pollack ist Starpianist aus Los Angeles. Er gibt heute ein Konzert in Moskau, morgen in Japan und übermorgen tritt er mit den New Yorker Philharmonikern auf. Er ist preisgekrönt und sitzt in allen wichtigen Jurys für Pianisten-Preise. In Michelstadt bei der Internationalen Sommerakademie für Musik ist er einer der Professoren für die Klavier-Meisterschüler.
Ich unterrichte gerne, sagt der sympathische, hochgewachsene Amerikaner in überraschend gutem Deutsch. Immer wieder wird er eingeladen als Dozent zu Meisterkursen. Zweimal schon in Berlin, an der Hochschule für Musik. Und in diesem Jahr zum ersten Mal in Michelstadt.
Die kleine Fachwerkstadt hat es dem Weltbürger angetan.
Er schätzt die vielen historischen Gebäude, ist beeindruckt vom über 500 Jahre alten Rathaus und besonders auch von der Synagoge. Der Baal Schem vom Michelstadt, der „Wunderrabbi“ Seckel Löb Wormser, der dort im 18. Jahrhundert gelehrt hat, war Pollack schon lange ein Begriff.
„Eine Stunde nur vom Flughafen Frankfurt entfernt und schon ist man mitten im Wald“, das begeistert den Mann aus Los Angeles, „ich fühle mich wirklich sehr wohl hier“, sagt er. Das bestätigt auch Jan Jirasek, Professor für Komposition aus Prag.

Zu diesem Wohlfühlen trägt sicher auch der fast intime Charakter der Musikakademie bei. Die 19 Studenten leben alle bei musikbegeisterten Familien in Michelstadt. Viele konnten nur dank Stipendien hierher kommen. Unterrichtet wird in der Stadtkirche, der Synagoge, in Schulen. Man trifft sich immer wieder irgendwo im alten Stadtkern, auf einen Kaffee, auf einen Wein.
Die kostenlosen Konzerte sind immer gut besucht. Fast täglich gibt es Matineen, um 12 Uhr in der evangelischen Stadtkirche. Dort spielen meist die Studenten. Bei den Abendkonzerten mit Klezmer-Musik, Orgelwerken oder Klavierabenden kann man die Professoren hören, auch in der Stadtkirche oder im Schloß Fürstenau. Dessen Hausherr, Graf Erbach-Fürstenau zählt ebenso wie viele Odenwälder Bürger zu den Förderern der Musikakademie.

 

Der Michelstädter Kantor und europaweit gefragte Organist Hans Joachim Dumeier ist zusammen mit seinem Freund, dem amerikanischen Komponisten Ofer Ben Amots Organisator und Leiter der Internationalen Sommer Musik Akademie. Sie wurde initiiert von dem israelischen Pianisten und Komponisten Josef Dorfmann, einem Freund und Lehrer der beiden. Dorfmann träumte immer von einer freien Musikakademie, berichtet Dumeier, „frei von den Zwängen der Hochschule“. Nach seiner Pensionierung an der Universität von Jerusalem wollte der Musikprofessor Dorfmann sich in Michelstadt niederlassen und hier seinen Traum realisieren.
Die erste Sommer-Akademie im Sommer 2005 hat Dorfmann noch selbst geleitet. Im Juni 2006 ist Josef Dorfmann gestorben, auf der Bühne, während eines Konzertes in Los Angeles. Dumeier und die anderen Dozenten wollen sein Lebenswerk fortsetzen in Michelstadt.

 

 

 

 

 

 

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