Leute und Geschichten aus dem Odenwald

 

 

 

Rudolf von Krezmar

Er ist studierter Chemiker. Aber wenn es um seine Leidenschaft geht, dann duldet er nur Natur pur: Der Winzer Rudolf von Krezmar aus Groß-Umstadt, der Odenwälder Weininsel. Der 83jährige ist einer der letzten selbständigen Winzer dort. Vom Krezmar betreibt ein kleines , aber höchst erfolgreiches Weingut. An den Wänden seiner gemütlichen Probierstube hängen mehr Auszeichnungen als er Weinflaschen im Keller lagern hat.

Winzer aus Leidenschaft

Winzer im Einsatz - dieses Schild an der Windschutzscheibe von Rudolf von Krezmars altem Daimler spricht Bände. Der schlanke, hochgewachsene 83jährige mit schlohweißer Mähne und wettergegerbtem Gesicht ist Winzer aus Leidenschaft, seit über 40 Jahren.

Wenn es Zufälle gibt, dann geriet er eher zufällig an die Winzerei. Der Chemiker aus Mähren wollte seßhaft werden am Rande des Odenwaldes. Er suchte ein Grundstück für sich und seine Familie. Dabei wurde ihm auch ein Weinberg angeboten. Und seitdem hat ihn der Wein nicht mehr losgelassen.

Ein Weinberg, sagt Rudolf von Krezmar, ist wie ein Kind. Man hegt ihn und pflegt ihn, ist täglich damit beschäftigt. Im Winter wie im Sommer. Jede Zeit im Weinberg sei schön, das "non plus ultra" aber, das Beste überhaupt, das sei die Traubenlese.

Und diese Traubenlese in den beiden Weinbergen Stachelberg und Steingerück ist ein gesellschaftliches Ereignis in Groß-Umstadt. 50 Helfer, meist Freunde und Stammkunden, kommen morgens gegen 9 Uhr. Bald darauf schon läutet der Winzer mit der großen Glocke zum Frühstück. "Dann müssen alle die Eimer stehen lassen, damit sie später wissen, wo's weitergeht", schmunzelt er.Zu Mittag wird das www des Winzers serviert: Weck, Worscht und Woi. Und abends holt Rudi seine Geige heraus und spielt zum Tanz, mitten im Weinberg. Louis Malle hatte die Szene nicht schöner ins Bild setzen können.

Obwohl von Hand gelesen wird, ist die Ernte in ein paar Stunden eingebracht. Denn in Rudolf von Krezmars Weinbergen stehen gerade mal 4000 Weinstöcke. Traditionell baut er nur Riesling und Müller-Thurgau an. Kein Rotwein, auch wenn der der derzeit den Winzern aus den Regalen gerissen wird. Rotwein ist für den Traditionalisten von Krezmar "eine europaweite Modekrankheit". Und von dem noch immer angesagten  Barrique-Verfahren hält der Chemiker überhaupt nichts. Der Barriqueton, so kann er sich echauffieren, ist "absolut unnatürlich". Eichenholzspäne in den Wein zu geben , damit der Barriqueton entsteht, oder noch schlimmer, flüssige Eichenholzextrakte dem halbfertigen Wein zu zusetzen - "das ist nicht mein Fall".

Von Krezmar nennt sich Biowinzer von Natur aus. Herbizide und Insektizide sind tabu in seinen Weinbergen. Er benutzt nur Stallmist und Häckselkompost, als Dünger und zur Lockerung des Bodens. Weil er keinem Bio-Verband angehört, ist er aber dem Gesetz nach kein Biowinzer. Verbände, Vereine das ist nichts für den ausgeprägten Individualisten. Er weiß um die Wichtigkeit von Genossenschaften, schätzt die Kollegen dort, aber er arbeitet lieber selbständig, "ich möchte meinen Wein komplett selbst ausbauen, vom Weinstock bis zur Flasche".

Und das macht Rudolf von Krezmar mit deutlichem Erfolg. Eine Galerie von Urkunden und Medaillen in seiner Probierstube beweist es. Genau gezählt hat er sie nicht, aber an die 500 Auszeichnungen für herausragende Weisweine werden es wohl sein. Eingeheimst bei der Bergsträßer Gebietsweinprämierung, bei der Landesweinprämierung, bei der Bundesweinprämierung.

Und noch etwas findet man im Hause des Winzers von Krezmar en masse - Hüte. Der Sohn eines mährischen Hutfabrikanten geht nie ohne. Der Hut ist sein Markenzeichen, unverwechselbar wie seine Weißweine.

 

 

 

 

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