Leute und Geschichten aus dem Odenwald

 

 

 

Schwarze Männer im Odenwald

Es war einmal ein armer Köhler - so beginnen viele Märchen und sie enden so, wie nur Märchen enden, nämlich mit Reichtum und Glück. Tatsächlich war die Köhlerei knochenharte Arbeit und reich wurde keiner damit. Die Köhlerei wäre ein ausgestorbenes Handwerk wie viele, wenn nicht immer wieder Schaumeiler errichtet würden im Odenwald, die an das alte Handwerk erinnern und daran, daß die Köhlerei dem Wald ein ganz eigenes Gesicht gab.

Köhler aus Passion

Adam Knopf aus Ober-Schönmattenwag war der letzte Berufsköhler im Odenwald. Vor drei Jahren hatte er seinen letzten Meiler angesteckt. „Die Kühler waren arme Leute, die lebten von dünner Suppe und dem was es im Wald gab“ berichtete Knopf den vielen Besuchern, die immer wieder zu seinen Schaumeilern kamen. Oft auf dem alten Köhlerplatz bei Rothenberg-Raubach. Oft musste die gesamte Familie mithelfen. Das Holz schlagen, den Meiler aufschichten . Vor allem aber während der „Kokel-Tage“ den Meiler bewachen. Dann lebten der Köhler und seine Familie in einer provisorischen Hütte mit Moosdach direkt neben dem Meiler. Denn wenn der Meiler zu viel oder zu wenig Luft bekam, dann konnte die Arbeit von Wochen sich ganz schnell in Rauch und Asche auflösen.
Heute arbeiten eine gute Handvoll Freizeitköhler im Odenwald im Sinne von Adam Knopf , sie wurden von ihm noch angelernt. Im Juli/August schichten sie nach alter Tradition auf der alten Köhlerplatte bei Rothenberg-Raubach Holz auf. Zehn Tage lang werden dort rund 30 Festmeter Buche und Eiche zu Holzkohle verkokt. Rund um die Uhr bewachen ein Team von vier Männern den kreisrunden Meiler. Weißer Rauch steigt aus mehreren Löchern. An der Farbe des Rauchs erkennt ein erfahrener Köhler wie es im Innern des Meilers aussieht. Ähnlich wie bei der Papstwahl ist weißer Rauch ein gutes Zeichen.
Joachim Sauer aus Ober-Schönmattenwag ist einer der „Azubis“ von Köhler Adam Knopf. Für den Schaumeiler opfern er und seine Freunde den Jahresurlaub. Zwei Wochen lang lassen sich die Männer dann nicht mehr zu Hause sehen. Sie leben im Wald, leben neben und mit dem Meiler. Geschlafen wird – wie früher - in einer kleinen Bretterhütte.
Von der sprichwörtlichen Einsamkeit des Köhlers ist bei den Schaumeilern im Odenwald allerdings nichts mehr zu spüren. Vereine haben meist um die Meiler eine Art Waldgastwirtschaft aufgebaut. Bei guten Wetter strömen die Besucher. Es gibt Deftiges und Gegrilltes zu essen, Bier und Apfelwein zu trinken und die Nächte um den Kohlenmeiler sind kurz, aber auch kurzweilig.
Die Freizeit-Köhler riechen etwas streng, wie gut geräuchert. Kein Wunder, mehr als eine Katzenwäsche morgens ist im Wald nicht drin. Und „es nützt nichts die Klamotten zu wechseln“, sagt Joachim Sauer, „der Geruch der Holzkohle ist sofort wieder in den neuen Klamotten drin.“
Sauer und seine Freunde genießen die Köhlerromantik. Eine besondere Art von Abenteuerurlaub, mitten im Odenwald. Aber dennoch auch harte Arbeit, und wenn es regnet, ist die Romantik schnell weggeflossen. Doch es macht Spaß, erklärt Sauer, und wenn nach zehn Tagen dann die Holzkohle geerntet wird „sind wir richtig stolz auf unsere Arbeit“.
Denn die handwerklich hergestellte Holzkohle aus dem Meiler ist begehrt. Viele Besucher kommen jeden Tag um sich davon zu überzeugen, dass der Meiler noch immer kokelt und sich zu vergewissern, dass sie ein paar Sack der Grillkohle mit nach Hause nehmen können.
Wer einmal seine Würstchen oder seine Steaks mit der Holzkohle vom Meiler gegrillt hat, der weiß um die großen Qualitätsunterschiede. Und greift nie wieder zur Grillkohle aus dem Supermarkt. „Das sind nur Reste und Dreck drin“, weiß Freizeitköhler Sauer. Die Odenwälder Holzkohle aus dem Schaumeiler ist ausschließlich aus Buchen -und Eichenholz gebrannt. Man braucht weniger davon und das Grillen geht schneller, weil die Holzkohle viel heißer wird. Ein Tipp für Anfänger von den Hobbyköhlern: eine gute Holzkohle erkennt man am hellen Klang und sie macht keine schwarzen Finger.
Die Köhlerei war einst Teil einer Kreislaufwirtschaft. Die wirtschaftliche Nutzung des Waldes bestimmte seine Form. Der südliche Odenwald war ein sogenannter Eichenniedrigwald. Bis Anfang des 20. Jahrhunderts wurde die Holzkohle aus dem Odenwald für die Verhüttung von Eisenerz benutzt. Die Köhler verkokten damals geschälte Eichenprügel. Aber auch die Rinde, die „Renne“ der Eichen war sehr begehrt. Sie wurde nach Weinheim in die Ledergerbereien geliefert – bis die „Lohgerberei“ abgelöst wurde von synthetischen Produkten.
Wenn die Eichen gefällt wurden, dann konnte für ein paar Jahre im lichten Wald Getreide gesät werden. Buchweizen. Damals ein Arme-Leute-Korn. Heute wieder in Mode, genau wie die handwerklich produzierte Holzkohle aus dem Odenwald.

 

 

 

 

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