Leute und Geschichten aus dem Odenwald

 

 

 

Hans-Jürgen Rau - Vom Krippenbazillus befallen

Aus Holz, aus Pappmache und aus Ton, aus Stroh, aus Stein, aus Stoff oder aus Salzteig – es gibt kein Material aus dem nicht Krippen hergestellt werden. In der Museums-Scheune von Hans-Jürgen Rau in Reinheim-Ueberau im Odenwald finden alle eine Herberge. Seit über 50 Jahren sammelt der frühere Grafikprofessor Krippen aus aller Welt. Gut 2000 Krippen sind es inzwischen.

Frohe Botschaft in der Nussschale

Der Raum könnte nicht besser gewählt sein. Mitten im Dorf. Ganz in der Nähe der Kirche. Eine riesige alte Scheune. Gestampfter Lehmfußboden, rohe Bretterwände, unter dem Dach liegt noch Stroh. Hier, im biblisch anmutenden Stall, stehen, liegen, hängen Krippen und Engel. Die kleinste Krippe passt in eine Nussschale, die größte Figur misst 146 Zentimeter.
Über 2000 Krippen aus 87 Ländern. Von Polen, dorther stammen schwarze Figuren, über Deutschland, Italien, Russland bis nach Afrika und Südamerika. Viele Krippen kommen aus Peru. Für Hans-Jürgen Rau zwangsläufig, denn „ die Peruaner sind die kreativsten Leute“.

Der Krippenbazillus, wie er es nennt, wurde dem heute 75jährigen Pastorensohn in die Wiege gelegt. Er sammelt weil er ein begeisterter Sammler ist. „ Ich bin der Überzeugung , dass jeder Mensch gerne sammelt“.
Und warum gerade Krippen? Weil ihn die Geschichte des Paares Maria und Josef fasziniert, das in bedrängten Zeiten zusammenhält und durch das Kind Freude bringt . „Die frohe Botschaft ist so lebensnah dargestellt“ in den Krippen meint Rau, auch wenn sie oft in Ländern entstanden sind , in denen die Menschen nach unseren Maßstäben alles andere als froh sein können.

Der frühere Werbefachmann und Grafikprofessor hat fast alle seine Krippen in den Ursprungsländern gekauft.
Er hat für die Aktion Brot für die Welt in Afrika gearbeitet. Dort hat er erstmals große Krippenfiguren aus Ebenholz gesehen. „Und da ist der Funke übergesprungen“ sagt Rau. Das größte Stück seiner Ausstellung war auch das erste in der Sammlung, geschnitzt aus einem Ebenholz- Stamm. „Es kam per Schiffscontainer hierher.“

Vital und bunt sind die Krippen aus Peru. „Die Tonfiguren“, erläutert Rau, „gehen auf die Inkas zurück“. Die Farbenpracht der Figuren sind spanische Einflüsse, angeregt von den Missionaren, die im Gefolge der spanischen Eroberer nach Südamerika kamen.

Zig mal war Rau in Peru. Zusammen mit einem peruanischen Freund hat den Kunsthandwerkern dort einen Markt in Europa geschaffen. Zunächst ließ er produzieren für einem kirchlichen Weihnachtsbasar in Münsterschwarzach. Der Erfolg war überwältigend. Inzwischen sieht man immer häufiger die bunten, peruanischen Krippenfiguren mit den langen Hälsen, wie neugierig gereckt um die frohe Botschaft zu sehen.
In den polnischen Krippen herrschen Strenge und Schlichtheit. Die Figuren sind oft grob aus einem Holzblock geschnitzt und der Sensenmann steht immer mit dabei.

Rau stellt seine Krippensammlung nicht nur im eigenen Museum in Reinheim-Ueberau aus. Er verleiht seine Schätze. Etwa für den Krippenweg in Heppenheim an der Bergstrasse oder im sächsischen Lichtenstein. Ausgenommen die Familienkrippe aus Ober-Ammergau – die bleibt immer im Haus.
Vor ein paar Jahren hat er aufgehört zu sammeln. Aber von Ruhe keine Spur, nun steht eben das Museum im Vordergrund. Die Tochter ist eingestiegen. Helfer und Besucher sind jederzeit willkommen.

 

 

 

 

 

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