Leute und Geschichten aus dem Odenwald

 

 

 

Serap Cileli

Sie ist eine der jüngsten Bundesverdienstkreuz-Trägerinnen: Serap Cileli, die mutige Kämpferin für Menschenrechte und gegen Gewalt an Frauen. Seit ein paar Jahren lebt die junge Frau im Odenwald. Hier hat sie Zuflucht vor ihrer gewalttätigen Familie gefunden. Im Michelstädter Neuthor-Verlag hat sie ihr vielbeachtetes Buch herausgebracht "Wir sind eure Töchter und nicht eure Ehre". Nun wurde die 39jährige Frau, die inzwischen die deutsche Staatsangehörigkeit angenommen hat, mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet.

Gegen Zwangsheirat und Ehrenmord

Serap Cileli hat ein ansteckendes Lachen. Sie nennt sich Optimistin. Ihre Freunde schätzen ihren Humor. Die Quelle meiner Kraft sind mein Mann und meine Kinder, sagt sie lachend. Doch wenn es um ihr Thema geht, wird sie ernst. Zwangsheirat ist Gewalt gegen Frauen und ein Verstoß gegen die Menschenrechte - meint Serap Cileli. Keine Religion und keine Kultur könne diese Gewalt rechtfertigen.

Ohne Wenn und Aber steht für sie fest "Wer hier in Deutschland lebt, muß die geltenden Gesetze achten". Mädchen und Frauen müssen die gleichen Ausbildungsmöglichkeiten bekommen wie Männer, müssen heiraten und sich kleiden dürfen, wen und wie sie wollen. Und dafür kämpft sie. Gibt Interviews, schreibt Zeitungsartikel, hält Vorträge, geht in Schulen, Moscheen und Jugendclubs und ist die Kontaktadresse für muslimische Mädchen, die sich aus dem Korsett ihrer traditionsverhafteten Familien befreien wollen.

Kein Wunder, dass eine junge Frau mit solch klaren Worten und Taten viele Feinde hat. Unter Muslimen, aber auch unter Deutschen, die oft zuviel Toleranz mit den Intoleranten hätten. Cilelis Adresse ist geheim. Ihre Kinder lässt aus Angst vor Entführung nicht alleine in die Schule gehen. Doch Serap Cileli lebt in einem dichten Netz von Freunden und Mitstreitern. Und sie hat eine Kämpfernatur.

Als Serap Cileli 15 war, wurde sie von der eigenen Familie aus Deutschland nach Anatolien entführt und dort mit einem älteren Mann zwangsverheiratet. Nach Jahren flüchtete sie mit ihren zwei Kindern nach Deutschland. Zu ihrer Familie. In der irrigen Hoffnung dort verstanden zu werden. Doch die Familie hatte nichts Besseres im Sinn als sie erneut zwangszuverheiraten - um die angekratzte "Familienehre" wiederherzustellen. Serap flüchtete erneut, nun in ein Frauenhaus im Odenwald. Und schrieb dort ihr aufrüttelndes Buch "Wir sind eure Töchter, nicht eure Ehre". Darin erzählt sie ihre eigene Geschichte.

Sie war die erste, die die Tabu-Themen in Deutschland öffentlich machte. Die offen über Zwangsheirat und Verbrechen an Töchtern "in Namen der Ehre" sprach. Ihr Vorbild machte vielen jungen Musliminnen Mut. Cileli ist Rettungsanker und Ansprechpartnerin geworden. Dutzende von emails Betroffener erreichen sie täglich.

Zusammen mit vielen Menschenrechtsorganisationen fordert sie ein konsequentes Vorgehen gegen Zwangsheiraten. Es solle ein eigener Straftatbestand werden. Nur so könnten muslimische Eltern überzeugt werden.

Die eigenen Eltern haben sie verstoßen. Das schmerzt noch immer. Doch sie hat inzwischen eine eigene Familie. Serap Cileli ist wieder verheiratet, aus Liebe, mit einem jungen Türken. Er ist stolz auf seine kämpferische Frau.

Mehr zu Serap Cileli und ihren Aktivitäten erfahren Sie hier

 

 

 

 

| Impressum | Kontakt | ©2005 Gabi Schwall